Projekt

Über LiMoST

Die Datenbank für literarische Motive, Stoffe und Themen: eine Fachbibliographie der Forschungsliteratur, entstanden an der Göttinger Akademie der Wissenschaften seit 1978.

Die Bibliographie

Wer über ein literarisches Motiv, einen Stoff oder ein Thema arbeitet, etwa über den Vampir, die Vergebung oder den Faust-Stoff, steht zuerst vor der Frage, was die Forschung dazu bereits geschrieben hat. Eine umfassende, aktuelle und internationale Bibliographie zur Motiv-, Stoff- und Themenforschung fehlte lange; die vorhandenen Bibliographien und Handbücher waren über Jahrzehnte und Sprachen verstreut.

LiMoST führt diese Nachweise in einer Datenbank zusammen. Verzeichnet ist Sekundärliteratur, die sich mit der literarischen Gestaltung konkreter Motive, Stoffe und Themen befasst; verwandte Gestaltungen aus bildender Kunst und Musik sind ergänzend erfasst, soweit die Quellen sie nennen. Jeder Titel ist nicht nur bibliographisch beschrieben, sondern inhaltlich erschlossen: nach Motiven und Schlagwörtern ebenso wie nach den behandelten Autoren und Werken, Gattungen, Epochen und Nationalliteraturen. Diese Angaben lassen sich in der Suche frei miteinander kombinieren.

Die Bibliographie entstand in der „Kommission für literaturwissenschaftliche Motiv- und Themenforschung“ der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, der heutigen Niedersächsischen Akademie der Wissenschaften zu Göttingen.

Der Bestand

5.860Titel der Forschungsliteratur
125.624Erschließungseinträge
24.173verschiedene Begriffe
23Kategorien
21Begriffe je Titel im Mittel

Nationalliteraturen

Titel je Nationalliteratur (die häufigsten sechs)

Epochen und Jahrhunderte

Titel je Epoche (die häufigsten sechs)

Zum Umfang Im Sommer 2001 umfasste die Bibliographie rund 11.500 bearbeitete Titel. Die heutige Oberfläche beruht auf dem erhaltenen Datenbestand von 5.860 Titeln; sie ist daher nicht mit dem vollständigen historischen Bestand gleichzusetzen.

Geschichte

  1. 1978
    Gründung der Kommission. An der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen wird die „Kommission für literaturwissenschaftliche Motiv- und Themenforschung“ eingerichtet. Ein bibliographisches Arbeitsinstrument gilt von Beginn an als notwendig; es entsteht zunächst eine Auswahlbibliographie als Zettelkasten, vor allem auf Grundlage der Jahresbibliographien der Modern Language Association.
  2. Ende der 1980er
    Neukonzeption als Datenbank. Weil der Zettelkasten in der Praxis viele Wünsche offenlässt, wird die Sammlung umstrukturiert und ein neues Konzept entwickelt, das die Möglichkeiten der elektronischen Datenverarbeitung nutzt.
  3. 1990er
    Turbo Lit. Die Bibliographie wird in der Literaturverwaltung Turbo Lit (DOS-Version 4.63 von 1992) geführt: dreißig Felder in fünf Kategoriengruppen, kombinierbare Abfragen über alle Angaben.
  4. 2001
    Rund 11.500 Titel; Umstieg auf askSam. Im Sommer sind etwa 11.500 Titel erfasst und weitgehend überprüft. Die Konvertierung in die netzwerkfähige Volltextdatenbank askSam beginnt.
  5. Herbst 2001
    Erste Internet-Fassung. Unter dem Namen LiMoST geht ein Teilstück von etwa 5.500 Einträgen als Demonstrationsversion online, auf dem Server der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen und des Gemeinsamen Bibliotheksverbundes.
  6. 2026
    Neue Weboberfläche. Die alte Oberfläche ist nicht mehr in Betrieb. Der erhaltene Datenbestand wird gesichert und mit einer neuen Suchoberfläche der Akademie wieder zugänglich gemacht.

Quellen und Erfassungszeitraum

Grundlage der Bibliographie ist das Material der Standardwerke der Motiv-, Stoff- und Themenforschung. Es wurde zusammengeführt, überprüft und an das eigene Kategoriensystem angepasst, ergänzt um aktuelle und um fehlende ältere Titel.

StandardquelleErschienen
Fernand Baldensperger, Werner P. Friederich: Bibliography of Comparative LiteratureChapel Hill 1950
Franz Anselm Schmitt: Stoff- und Motivgeschichte der deutschen Literatur. Eine BibliographieBerlin 1959, ³1976
Elisabeth Frenzel: Stoffe der WeltliteraturStuttgart 1962
Elisabeth Frenzel: Motive der WeltliteraturStuttgart 1976
Horst S. und Ingrid Daemmrich: Themes & Motifs in Western Literature (ergänzend)Tübingen 1987
Jean-Charles Seigneuret (Hg.): Dictionary of Literary Themes and Motifs (ergänzend)New York 1988

Entsprechend dem Erhebungszeitraum dieser Quellen stammen die meisten verzeichneten Titel aus den Jahren von etwa 1890 bis 1960. Schwerpunkte liegen bei der deutschen, französischen und anglo-amerikanischen Literatur. Zu den meisten Titeln ist die Quelle des Nachweises angegeben (bei 5.200 Titeln), sodass sich die Angaben zurückverfolgen lassen.

Zuverlässigkeit: Autopsie und „Clearing“

Auch Standardbibliographien sind nicht fehlerfrei; Fehlangaben setzen sich oft von Quelle zu Quelle fort. Deshalb wurde grundsätzlich jeder Titel am Buch selbst geprüft, bibliographisch und in einer inhaltlichen „Kurz-Autopsie“. Nur wenn ein Titel nicht beschafft werden konnte, wurde er nach einer anderen Bibliographie aufgenommen und als solcher gekennzeichnet. Das Feld Status zeigt das bei jedem Titel an.

5.249autopsiert (am Buch geprüft)
609bibliographisch nachgewiesen
3.893Titel mit Erläuterung

Wo eine Quelle einem Titel ein Schlagwort zuweist, das sich bei der Prüfung als unzutreffend erweist, wird es nicht stillschweigend gelöscht. Es wird in die eigene Kategorie Clearing (CLE) verschoben, sodass die Korrektur nachvollziehbar bleibt (bei 80 Titeln).

Beispiel: Eintrag Nr. 1039
VER · Verfasser
COOLIDGE, William Augustus Brevoort.
TIT · Titel
The Alps in nature and history. London, 1908.
SWO · Schlagwort
---
CLE · Clearing
Alpen

Das Buch behandelt die Alpen als Naturraum und Geschichte, nicht als literarisches Motiv. Das von der Quelle vergebene Schlagwort „Alpen“ ist daher als Clearing dokumentiert.

Erschließung: die Kategorien eines Eintrags

Jeder Titel wurde nach einem einheitlichen Schema mit ursprünglich dreißig Feldern in fünf Gruppen aufgenommen. Die Kürzel in Klammern sind die Kategorien, nach denen Sie heute suchen können.

GruppeFelder
BearbeitungshinweiseStatus der Prüfung (STA)
Bibliographischer EintragVerfasser (VER), Titel mit Erscheinungsangaben (TIT)
SchlagwortSchlagwort (SWO)
InhaltseinheitenMotive nach Person/Typus (PER), Gruppe/Institution (GRU), Tier (TIE), Pflanze (PFL), Element (ELE), Gegenstand (GEG), Örtlichkeit (ORT), Zeitphase (ZEI), Handlung/Ereignis (HAN), Situation (SIT), Gefühl/Haltung (GEF), Eigenschaft (EIG); Stoff (STO); Thema/Idee (THE); Clearing (CLE)
ZusatzinformationenTheorie/Begriff, Hintergrund, Autor/Werk (AUT), Gattung (GAT), Epoche/Jahrhundert (EPO), Nationalliteratur (NAT), Verweis (VWS), Quelle (QUE), Notiz (NOT)

Die Kategorie Verweis ordnet einzelne Motive übergeordneten Leitbegriffen zu, etwa Mythologie (Antigone, Ödipus, Amor und Psyche …), Beruf oder Stadt. So lassen sich auch verwandte Motive gemeinsam finden. Eine vollständige Liste aller Kategorien steht in der Anleitung.

Diese Oberfläche

Die heutige Weboberfläche macht den erhaltenen Datenbestand ohne Anmeldung und ohne Installation zugänglich. Sie bietet drei Zugänge:

  • Einfache Suche: eine Kategorie, ein oder mehrere Begriffe.
  • Erweiterte Suche: Begriffe und Kategorien mit UND, ODER und NICHT kombiniert, etwa GAT:Drama + EPO:Barock; die Seite zeigt, wie die Abfrage verstanden wurde.
  • Register: alle Begriffe einer Kategorie alphabetisch, mit der Zahl der Titel.

Die Suche behandelt ä, ö, ü und ß wie ae, oe, ue und ss und unterscheidet Groß- und Kleinschreibung nur auf Wunsch. Jede Ergebnisseite hat eine eigene Adresse und kann als Link weitergegeben werden. Jeder Eintrag hat eine eigene Seite mit allen Angaben, einem permanenten Link (zum Beispiel /entry/155) und einem Zitiervorschlag.

Die Daten werden unverändert so angezeigt, wie sie erfasst wurden. Hinweise auf Fehler oder Ergänzungen nimmt die Akademie gern entgegen (Kontakt).

Zitieren und weiterführende Literatur

Zitiervorschlag

LiMoST – Datenbank für literarische Motive, Stoffe und Themen. Niedersächsische Akademie der Wissenschaften zu Göttingen. https://limost.adw-goe.de/ (abgerufen am 14.10.2026).

Einzelne Einträge zitieren Sie mit ihrem permanenten Link: Ein Klick auf den Titel oder die Nummer eines Suchergebnisses öffnet die Seite des Eintrags mit einem fertigen Zitiervorschlag zum Kopieren.

Zur Entstehung der Bibliographie

Thomas Habel: „Die Göttinger Motiv-, Stoff- und Themenbibliographie als Datenbank: Bemerkungen zu Entwicklung, Anlage und Arbeitsweise“, S. 331–376. Der Aufsatz beschreibt Vorgeschichte, Quellen, Erfassungsregeln und Kategoriensystem ausführlich; die Angaben auf dieser Seite folgen ihm.